21.11.2015

Hegemony 3 Clash of the Ancients Review

Hegemony 3 ist, um das vorweg zu nehmen, ein grundsätzlich schönes Spiel mit einigen sehr nervigen Features. Bevor wir zur eigentlichen Review übergehen zunächst einige Stärken und Schwächen, die mir spontan einfallen.

Die Stärken:

  • Halb-realistisches Einheitenversorgungssystem + Logistik + daraus resultierende Probleme
  • Epische Ausmaße (Sehr große Karte zum Austoben), ordentliche Fraktionsauswahl 
  • Verschiedene Kulturen mit zum Teil  eigenen Einheiten Typen und damit verbundene Taktiken
  • Einheiten Level System mit Individuellen Fähigkeiten
  • Imperiumsausrichtung dank Skill-Baum

Die Schwächen:

  • Hakelige Wegfindung und Einheiten KI
  • Kein Handel & Politik-System
  • Nur rudimentäre Diplomatie Optionen
  • Eher generische Quests & Aufgaben

Eine detailliertere Review, die dem Spiel sehr viel gerechter wird, findest Du im Anschluss. 

Wer sich den Text sparen möchte, kann auch gerne in mein aktuelles Let`s Play reinschauen und sich selbst ein Bild vom Spiel machen.



Review:


Auch wenn die Schwächen zunächst einmal zu überwiegen scheinen, ist Hegemony 3 kein schlechtes Spiel. Es ist ab und an nur extrem nervig. Zu Anfang hat man mehrere Kampagnen zur Auswahl von denen die „kleine“ Etruskische Kampagne eher Tutorial Charakter hat. Das eigentliche „große“ Spiel ist das quasi „Endlosspiel“ auf der Italien Karte. Endlosspiel nenne ich es deshalb, weil die Siegbedingungen so gestrickt sind, dass es sehr lange dauern kann einen Endsieg zu erreichen.

Übersicht der Fraktionen (Große Kampagne)

Die Versorgung mit Nahrung und Holz ist schnell erledigt und man stößt auf den ersten Engpass, den es zu überwinden gibt: das Gold. Diese Ressource erhält man zwar ebenso wie die anderen durch das Erobern von Gebäuden, allerdings müssen die rekrutierten Truppen ja von vorneherein bezahlt werden, sodass man anfangs etwas in Zugzwang ist, schnell zu handeln. Je nach Ausgangslage entstehen jetzt schon die ersten logistischen Probleme. Bei einem Start in Mittel- oder Süditalien ist man von sehr vielen anderen Fraktionen unmittelbar umgeben, während man selbst nur eine kleine Armee aufstellen bzw. sich leisten kann.

Das Aufstellen selbst kostet zudem Rekruten, die sich auch nicht besonders schnell wieder auffüllen. Innerstädtische Gebäude kosten ebenfalls Unterhalt und sind anfangs, außer es handelt sich um einen Marktplatz, der selbst Einkommen generiert, schon fast Tabu.
Zu den Gegner-Fraktions-Problem gesellt sich ein weiterer Stock, den das Spiel einem zwischen die Beine wirft: - in meinen Augen das größte Ärgernis (!) – nämlich Piraten oder Banditen, die oft im eigenen Hinterland gespawned werden. Um dieses System in seiner Gänze zu begreifen, muss man wissen, dass die Versorgung der Einheiten nicht nur in Regionen um Städte stattfindet, sondern auch über Camps bzw. Lager, die über Versorgungslinien mit den Städten verbunden werden. Während man gegen Piraten, die zur See spawnen, nicht viel machen kann, ist es theoretisch möglich Banditenspawns zu verhindern indem man an jeder Stelle, an der es möglich ist, (Die möglichen Lager/Camp Positionen sind fest vorgegeben) ein Lager errichtet. Auch das wäre kein Problem wenn diese Lager nicht auch noch, ebenso wie z.B. Brücken, die einen ähnlichen Zweck erfüllen und auch als versorgungspunkte mit Lager dienen, Unterhalt kosten würden. 

Versorgungsliniengeflecht im Histri Anfangsgebiet

Hat man also genug Geld, und das hat man in den geschätzten ersten 10 Stunden einer Partie nie in solch großen Mengen, wäre das kein Problem. Trotzdem muss man sagen, dass die Banditen im Early-Game (aus dem Grund, da man selbst noch kein großes Reich besitzt und die Entfernungen, die die eigene Armee überbrücken muss) nicht so groß sind, eher gute Sklaven Lieferanten (Sklaven sind kostenlose Arbeiter für Minen/Fischereien/Bauernhöfe etc).
Umso größer das eigene Territorium wird, umso ärgerlicher wird es, wenn man im Hinterland immer wieder durch störende Partisanen Attacken der Banditen behindert wird, um die man sich trotzdem kümmern muss, obwohl man im Moment sehr viel interessanteren Tätigkeiten nachgehen will, wie zum Beispiel Schlachten und Belagerungen an der Front zu schlagen. So werden die Banditenangriffe schnell zum Ärgernis und lenken von dem eigentlich guten Gameplay ab. Umso weiter das Spiel voranschreitet, umso wichtiger wird es auch Gebäude in den Städten zu bauen und auszubauen, selbiges gilt für die Ressourcengebäude auf der Karte, die stetig ausgebaut und bestückt werden sollten, um dem wachsenden Bedarf der Städte (Wenn diese im Level aufsteigen, werfen sie zwar mehr Rekruten und Gold ab, kosten allerdings auch mehr Nahrung) und Heere zu decken. 

Belagerungsschlacht mit bereits besiegten Feinden, die auf ihre Versklavung warten.

Die Ebenfalls im Spiel enthaltenen Jahreszeiten erschweren die Versorgung vor allem im Winter, wo man vor allem auf die Vorräte der vorigen Monate angewiesen ist und bei schlechter Planung schon mal eine Hungersnot zu überstehen hat. Hunger reduziert die Moral von Städten und Einheiten, sodass Städte rebellieren während Einheiten zu leichten Zielen für Gegner werden. Will man seine Einheiten davor schützen, kann man sie auch individuell upgraden. Jeder Kill bringt nämlich Erfahrungspunkte mit sich, die man für jede  individuelle Einheit (NICHT Einheitentyp) einsetzen kann, um beispielsweise den Nahrungskonsum zu verkleinern. Hinzu kommen weitere „Skills“, die zum Beispiel den Waffenschaden, die Verteidigung oder die Sichtweite erhöhen. Jede Einheit hat 4 Skillslots, sodass man sich entscheiden muss, was einem am Liebsten ist. Mit zunehmender Erfahrung werden Einheiten so immer stärker und können weitere Level der Skills freischalten. Da es unseren Armeen auch nach einer Niederlage oft gelingt sich zurückzuziehen (die Einheiten laufen dann zu ihrer Heimatstadt zurück und füllen sich dort wieder mit Rekruten auf), ist es möglich diese mühevoll geflegelten Einheiten oft durch eine ganze Partie hindurch zu behalten. Nur der Vollständigkeit halber sei hier auch die Navy erwähnt, die leider so muss man sagen, nur sehr stiefmütterlich implementiert ist und mehr oder weniger nur zum Transport von Truppen dient - wer Seeschlachten sucht ist bei Hegemony 3 definitiv falsch.

Diese Nussschale ist das "Kriegsschiff"

Ein weiteres noch nicht erwähntes Feature ist der „Technologie“-Baum, der es einem über Skillpunkte (Deren Output man mit Bibliotheken erhöhen kann) ermöglicht den Output der Wirtschaft zu steigern sowie das Militär oder die Navy zu verbessern. Dies führt, abgesehen von den zumeist prozentualen Boni auf Output oder Stärke, auch zu neuen stärkeren Einheiten oder schaltet Funktionen wie das Kolonisieren frei, das essentiell für eine der Siegesbedingungen ist.
Gestärkt durch Skills und eine funktionierende Wirtschaft kann man also im Lategame dazu übergehen ganz Italien zu erobern. Wegen der fehlenden diplomatischen Möglichkeiten  (Es gibt nur Krieg/Neutral oder Frieden) muss man dies ohne die Unterstützung Verbündeter Fraktionen machen. Zu den fehlenden diplomatischen Interaktionen gesellt sich auch die Abwesenheit von Handel, sodass man generell autark, also nur auf sich selbst gestellt, auskommen muss - In meinen Augen eine vergebene Chance.
Der "Zivile" Technologie/Skill - Baum (Gelb umrahmt)

Wenn man sich nun mit den Entscheidungen der Einheiten bei einer Belagerung während Feinde neben ihnen aus der Stadt ausbrechen, um dann die eigenen Bogenschützen niederzumähen, anfreunden kann und froh ist, dass sie nach einem Marsch durch einen engen Pass überhaupt ankommen und nicht entlang des Weges „hängen bleiben“, kann man mit Hegemony 3 sehr viel Spaß haben – zumindest so lange bis eine Achtregimenter große Banditenarmee im Hinterland spawned, weil man eine Lagerlocation übersehen hat.
Grafisch ist das Spiel zwar nicht auf der Höhe der Zeit und kann natürlich nicht mit Spielen wie Total War mithalten, gewinnt aber zumindest gegen Europa Universalis IV, das vielleicht der adäquatere vergleich ist. Wenn man das auf Bodennähe heranzoomen weglässt und sich auf den wegen der Übersicht sinnvolleren höheren Zoomstufen befindet fällt die Grafik auch nicht so sehr ins Gewicht.

Fazit:


Alles in allem ist Hegemony 3 eher Grand Strategy als Total War, vielleicht eine halbgare Mischung aus beiden, die leider die Perfektion beider Reihen in ihren jeweiligen „Professionen“ nicht erreicht. Durch das Gelände der Karte mit vielen unbegehbaren Orten wie z.B. Wäldern & Hügeln können keine größeren/epischen Schlachten entstehen. Das theoretisch gut gedachte Formationssystem der Armeen kommt wegen des Platzmangels leider deshalb kaum zur Geltung und stört eher, wenn man sich durch Engstellen manövrieren muss.
Persönlich bin ich ein großer Fan des Handels bei EU IV und Konsorten, weshalb es mich besonders schmerzt, dass er bei Hegemony 3 nicht existiert. Das Fehlen von Diplomatie ist ebenfalls ein großes Manko, was vermutlich auf die eingeschränkten KI-Fähigkeiten zurückzuführen ist.

Trotzdem kann Hegemony 3 motivieren und ist für Fans des Szenarios Antike, die Abwechslung von Total War suchen und etwas mehr Komplexität verkraften können, durchaus zu empfehlen. Auch wenn das Spiel nicht ganz an die Grand Strategie Titel von Paradox heranreicht. Schließlich legen diese den Maßstab sehr hoch an. Longbow Games hat aber einen soliden Titel hingelegt, der bereits durch Patches verbessert wurde, die z.B. weitere dringend notwendige Zoomstufen eingeführt haben. 

Das Spiel verfügt auch über einen Steam-Workshop samt modding guides und den ersten kleinen Erweiterungen, die bei einer größeren Fanbase mit Sicherheit auch florieren würden. Bislang bleibt das Spiel aber eher ein Geheimtipp, der mit etwas Arbeit durch die Entwickler noch besser werden könnte.

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